Eine Zeitreise an Schlumps Backs

Laienspieler der »Schatulle« geben Kostproben ihres neuen Programms bei den Kleinendorfer Heimatfreunden

Von Charlotte P e i t s m e i e r

Wie die Darsteller der Sachsschen Fastnachtsspiele im Spätmittelalter sind die Mitglieder des Laientheaters »Schatulle« mit Wagen und Instrumenten auf dem Gelände eingezogen.

Wie die Darsteller der Sachsschen Fastnachtsspiele
im Spätmittelalter sind die Mitglieder des Laientheaters
»Schatulle« mit Wagen und Instrumenten auf
dem Gelände eingezogen.

Als die bunt kostümierten Darsteller der Laienspielgruppe Schatulle über das Gelände von Schlumps Backs schreiten und Regisseurin Edith Stöver laut ausruft: »Kommt ihr Leute, kommt geschwind, keinen besseren Ort zum Spiel’n wir find«, steht für die Besucher fest: dieser Aktionstag nimmt sie mit ins späte Mittelalter eine Zeit, in der die offene Straße die Bühne für komische Fastnachtsspiele bildete. »Es ist eine Zeitreise, auf die wir uns heute begeben«, hatte auch Edith Stöver wenige Minuten vor dem Auftritt geschildert. Für die Schatulle traf dies gleich in doppelter Hinsicht zu. Mit den kurzweiligen Schauspielen von Hans Sachs ging es nicht nur ins 16. Jahrhundert, sondern auch in die Anfänge der  Rahdener Laienspielgruppe zurück. Vor mehr als 30 Jahren waren die ersten Stücke, mit denen die Schatulle auftrat, von Hans Sachs. Der Wunsch seitens vieler Schauspieler, wieder einmal draußen zu spielen, sowie Aktualität und Witz der Sachsschen Schauspiele habe die Laienspielgruppe dazu bewegt, erneut vier Stücke von dem Nürnberger Meistersinger einzustudieren. Dabei hat sich inmitten der Darsteller eine Band gebildet, die die Besucher am Sonntagnachmittag mit Musik aus jener Zeit auf die Stücke einstimmte. Der Auftritt beim Aktionstag an Schlumps Backs bildete eine Vorpremiere. Der eigentliche Hans-Sachs-Abend der Schatulle im Rahdener Bahnhof folgt am 30. Mai. Das Publikum am Backs erlebte schon am Sonntag, dass Wolfgang Hanke es in dem Stück »Der tote Mann« wie kein anderer versteht, seine Frau mit List dazu zu bringen, ihre wahren Gefühle für ihn zu bekennen. Dass Hanke sich so hervorragend tot stellen konnte, hatte seinen Grund: »Schon vor 30 Jahren spielte er den ›toten Mann‹, nur die Frauen an seiner Seite wechselten seither«, erläuterte Regisseurin Edith Stöver. Auch an Schlumps Backs sind die Laienspieler der Schatulle in der Vergangenheit schon einmal aufgetreten: »Das ist aber schon etwa 20 Jahre her, erinnerte sich der Vorsitzende der Kleinendorfer Heimatfreunde, Werner Thielemann. Um so erfreuter zeigte er sich darüber, dass für diesen Aktionstag erneut eine Kooperation der Heimatfreunde mit der Laienspielgruppe geglückt war: »Wir möchten den Besuchern hier immer etwas Neues bieten und dabei auch jüngere Altersgruppen ansprechen. Der heutige Auftritt ist dahingehend eine große Bereicherung.

Thorsten Klein holt das letzte Blech Butterkuchen aus dem Ofen. Schon früh haben die Heimatfreunde mit der Vorbereitung begonnen.

Thorsten Klein holt das letzte Blech Butterkuchen aus dem Ofen. Schon früh haben die Heimatfreunde mit der Vorbereitung begonnen.

«Im Backhaus hatte kurz zuvor Thorsten Klein das letzte Blech des begehrten Butterkuchens aus dem Ofen geholt. Von morgens an waren die Heimatfreunde hier fleißig gewesen. Zum Erfolg des Aktionstages trug auch das  schöne Wetter bei: Die meisten Besucher hatten dieses genutzt, um in der Gruppe mit dem Fahrrad herzufahren. Während des Kaffeetrinkens bei sommerlichen Temperaturen spendeten die großen Eichen auf dem Gelände angenehm Schatten. Zwischen angeregten Gesprächen sorgten die drei Theater-Schmankerl von je 20 Minuten für beste Stimmung unter den Gästen. Denn, wenngleich die Werke von Hans Sachs vor mehr als 400 Jahren entstanden sind: Die humorvolle Moral, mit der der Meistersänger der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten pflegte, kommt auch heute noch beim Publikum an. So gab es großes Gelächter, als sich zum Ende des ersten Stückes herausstellte, dass es – trotz jeder List der Männer – am Ende doch die Frauen sind, die in einer Beziehung »die Hosen anhaben«.

 

© Westfalen Blatt 20.05.2014 / Bilder: Charlotte Peitsmeier

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